Wie Winterhalter variantenspezifische BIMund CAD-Daten automatisiert erzeug
Die Winterhalter Deutschland GmbH mit Sitz
in Meckenbeuren am Bodensee ist Spezialist
für gewerbliche Spülsysteme und bietet mit
Spülmaschinen, Spülchemie, Wasseraufbereitungsgeräten und Spülkörben ein Gesamtsystem für das perfekte Spülergebnis. Weltweit vertrauen gewerbliche Kunden auf die
hohe Qualität der Winterhalter Spülprodukte.
Die BIM-Dateien, CAD-Daten und Anschlusspläne werden nun für jeden Kunden individuell
und automatisch mit customX erzeugt.
Die gewerblichen Spüllösungen von Winterhalter sind im Vergleich zu
haushaltsüblicher Technik auf einem komplett anderen Niveau. Klar, der
Effekt ist am Ende der gleiche: Das Geschirr wird sauber. Aber die Dimensionen unterscheiden sich teilweise massiv.
Das Angebot von Winterhalter umfasst von der kleinen Untertischspülmaschine bis zu meterlangen Band- und Korbtransportspülmaschinen
das ganze Sortiment an gewerblicher Spültechnik. Dabei kommen die
Band- und Korbtransportspülmaschinen der MT-Serie in Großküchen
beispielsweise in Krankenhäusern, Hotels und Kantinen zum Einsatz.
Dort reinigen sie bis zu 8.000 Teller oder 355 Körbe pro Stunde, bestückt
mit Besteck, Tellern, Tassen, Gläsern oder Tabletts.
Durch die modulare Spültechnik lassen sich einzelner Zonen und Komponenten flexibel miteinander kombinieren. Dadurch kann die Maschine
exakt auf die individuellen Anforderungen und Ausstattungswünsche der
Kunden zugeschnitten werden. Maschinen der MT-Serie erreichen eine
Länge von bis zu zwölf Metern und können aus zwei bis zehn Modulen
unterschiedlicher Größe und Funktionalität bestehen.
Enorme Varianz
Schon die optische beziehungsweise grafische Varianz ist enorm
hoch. Die Module lassen sich unterschiedlich kombinieren und
sind teils in unterschiedlichen Größen erhältlich. Wir sprechen hier
von Vorspülmöglichkeiten maschinell oder von Hand, von verschiedenen Hauptspülzonen, Nachspülen und Trocknungsmöglichkeiten innerhalb der Anlage oder am Ende an der Luft. Entsprechend
sieht jede Maschine anders aus.
Noch deutlich größer ist jedoch die technische Varianz, die dahintersteckt. Rund fünfzig technische Merkmale mit zahlreichen Untermerkmalen müssen definiert werden, zudem sind die länderspezifischen Anforderungen von über siebzig Nationen zu berücksichtigen.
All diese technischen Daten müssen anschließend für die Kunden
übersichtlich dokumentiert werden. Dafür sind sowohl CAD- als
auch BIM-Daten und Anschlusspläne zwingend erforderlich.
Wenn man sich einmal vor Augen führt, dass eine einzige Maschine
bis zu sechs Wasseranschlüsse benötigen kann, werden die Datenmengen und deren Komplexität schnell deutlich.
Kunden benötigen übersichtliche Daten
Früher fasste man bei Winterhalter alle Daten in einem Standard-Dokument zusammen. Mit zunehmender Varianz und Einführung
einer neuen Produktserie war schnell klar: So kann es nicht bleiben.
Für die Kunden wurde dieses Dokument unübersichtlich, da sie
ihre jeweils relevanten Daten heraussuchen mussten. Die Folge:
zahlreiche Rückfragen an die Technik bei Winterhalter führten zu
Unzufriedenheit bei den Kunden und zusätzlicher Belastung für
die technischen Mitarbeiter.
Ziel war es daher, die Daten konfigurationsspezifisch zu erstellen,
sodass sofort ersichtlich ist, welche Informationen für das jeweilige
Projekt relevant sind.
Die Konfiguration wurde zunächst über das ERP-System von SAP
gelöst. Hier werden die Module zusammengestellt und Anforderungen an die jeweilige Maschine eingegeben. Doch damit war das
Thema der variantenspezifischen Dokumentation noch nicht gelöst.
Dafür holte sich Winterhalter mit customX aus dem Mensch und
Maschine Konzern einen auf Konfigurationsprojekte spezialisierten
Partner an die Seite.
Schnelle Implementierung
Zugegeben: Der Zeitplan war sehr sportlich. Die Entscheidung
für customX fiel im Juni, nur vier Monate später – im Oktober –
sollte die neue Produktserie auf der Messe präsentiert werden
und lieferbar sein.
Es galt also, nach der Systematisierung, bei der das Produkt in seinem Aufbau detailliert analysiert und strukturiert dargestellt wurde,
die daraus abgeleiteten Daten im Regelwerk zu erfassen und erste
Prototypen zu erstellen. Schnell entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit den Ingenieuren bei customX. Tatsächlich gelang
es, rechtzeitig zum Messestart die ersten von customX erzeugten,
kundenspezifischen Daten bereitzustellen.
„customX hat sich wirklich reingehängt und mit äußerstem Einsatz
dafür gesorgt, dass wir unseren Kunden gegenüber lieferfähig waren. Einen solchen Support findet man sonst nirgendwo“, zeigt sich
Monika Wolf, Leiterin der Planungsabteilung, zufrieden.
customX arbeitet im Hintergrund
customX arbeitet dabei ohne eigene Oberfläche. Nach Abschluss
der Konfiguration in SAP übermittelt das ERP-System eine Datei
an customX, wo automatisch die erfassten Daten ausgelesen,
durch weitere Berechnungen ergänzt und in logische Zusammenhänge gesetzt werden.
Am Ende des Prozesses entstehen automatisch Revit-Dateien,
übersichtliche, bemaßte Anschlusspläne im PDF-Format sowie
DWG-Zeichnungen mit allen wichtigen Informationen zum kundenindividuellen Spülsystem. Diese Dateien werden dem Kunden direkt
zur Verfügung gestellt, ohne dass auch nur ein Mensch noch einen
Blick darauf werfen muss. Der Aufbau ist stets einheitlich, die Ergebnisse sind konsistent und absolut fehlerfrei.
BIM-Daten sind entscheidend
Für die Kunden sind vor allem die Revit-Daten von zentraler Bedeutung. Sie enthalten weit mehr als nur die Geometrie der Maschinen,
nämlich auch technische Anschlusswerte, Materialeigenschaften
und viele weitere relevante Informationen.
Diese Revit-Dateien lassen sich direkt in das jeweilige Gesamtprojekt integrieren und von den Planern weiterverwenden. So verzahnt
sich die Gebäudeplanung nahtlos mit den technischen Gewerken
und Lieferanten.
Für den gewerblichen Küchensektor, den Winterhalter mit seinen
Spülsystemen beliefert, existiert inzwischen mit dem IFSE-Standard
eine klare Vorgabe für die BIM-Daten. Er definiert exakt, welche
Parameter enthalten sein müssen, und sorgt so für hohe Planungssicherheit. Selbstverständlich erfüllen auch die von customX generierten Dateien diese Anforderungen.
6.000 Dokumente
Aktuell greifen rund 120 Winterhalter Mitarbeiter indirekt auf das
System zu. Mit etwa 1.000 Konfigurationsaufrufen pro Jahr werden knapp 6.000 Zeichnungen, Anschlusspläne und BIM-Dateien
erzeugt.
Systempflege
Ein solches System muss natürlich regelmäßig gepflegt werden.
Manchmal ändern sich Kleinigkeiten wie Texte in den erzeugten
Dateien, manchmal sind größere Änderungen erforderlich – etwa
durch Produktentwicklungen.
Derzeit erfolgen größere Anpassungen noch in enger Zusammenarbeit mit den customX-Mitarbeitern. Doch die entsprechenden
Schulungen sind bereits abgeschlossen, sodass auch diese Aufgaben in naher Zukunft von den drei Regelwerksentwicklern bei
Winterhalter selbst übernommen werden. Kleinere Änderungen
werden bereits jetzt unabhängig und vollkommen flexibel eingepflegt.
Ausblick
Künftig soll der Zugriff auf das System nicht ausschließlich Winterhalter Mitarbeitern vorbehalten sein. Auch die Partner sollen direkt
damit arbeiten können. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist
die Verknüpfung zu dem Marketingtool, das anhand von Bildern
eine erste grobe Konfiguration ermöglicht und anschließend diese
Daten an SAP und von dort an customX weitergibt. Darüber hinaus ist die Erzeugung von IFC- und 3D-Daten geplant, um die
Mitarbeiter weiter zu entlasten und Fehler konsequent zu vermeiden.
„Es ist nett, dass wir mit dem komplexesten Produkt angefangen
haben – jetzt wissen wir, dass es funktioniert“, betont Wolf. Aber
schon bald sollen die anderen Serien folgen, sodass zukünftig
sämtliche Zeichnungen, Anschlusspläne und Revit-Dateien automatisch erzeugt werden.